Politik China
China beschließt Gesetz zum Schutz von Privateigentum
17. März 2007, 00:00 Uhr
Der Volkskongress in Peking trifft historische Entscheidung - das Wohlstandsgefälle soll ausgeglichen werden.
Peking - Der
Volkskongress hatte zuvor mit seiner Zustimmung zu zwei neuen Gesetzen den Weg
in die Marktwirtschaft weiter geebnet. 2889 Abgeordnete stimmten mit
überwältigender Mehrheit von 2799 bei nur 57 Neinstimmen dem ersten
Eigentumsgesetz zu.
Es verhilft privatem Eigentum zum gleichem Rechtsschutz
wie staatlichem Eigentum. Nach der Abstimmung gab es unter den Abgeordneten
langen Beifall. Wie die WELT erfuhr, waren viele von ihnen in Einzelgesprächen
von Parteifunktionären und von Mitarbeitern des Rechtsausschusses "bearbeitet"
worden, dem seit fünf Jahren umstrittenen Gesetz zuzustimmen. In den vergangenen
Tagen waren noch 62 Abänderungen am Entwurf gemacht worden. Weniger Probleme
machte den Abgeordneten die Zustimmung zur neuen Körperschaftsteuer, die
erstmals für alle in- und ausländischen Unternehmen einen Steuersatz von 25
Prozent vorsieht. Bisher waren solche Firmen steuerlich privilegiert worden. Es
gab 2829 Jastimmen und 37 Ablehnungen. Wen bezeichnete die Herstellung von
sozialer Gerechtigkeit als Voraussetzung für die Demokratisierung seines Landes.
Konfrontiert mit den krassen Entwicklungsunterschieden zwischen den
Regionen und der Polarisierung in Reiche und Arme, müsse "Gerechtigkeit
herzustellen der wichtigste Wert des chinesischen Sozialismus sein". Er
verteidigte die auf Wirtschaftsentwicklung ausgerichtete Politik seiner
Regierung gegen den Vorwurf, er lasse die Demokratisierung und politische
Reformen auf die lange Bank schieben: Werte wie "Demokratie, Recht, Freiheit,
Menschenrechte, Gleichheit" seien universal gültig. Für sie müssen aber
Bedingungen geschaffen werden. China habe auf seinem "eigenen Entwicklungsweg
dazu" noch viele Defizite zu überwinden.
Nüchtern äußerte sich der
Premier zur Wirtschaft Chinas, die seit seinem Amtsantritt 2003 vier Jahre
hintereinander mit durchschnittlich über zehn Prozent wuchs, und dazu; dass das
Land die höchsten Devisenreserven der Welt ansammelte. Während China im Ausland
als Wirtschaftswunderland angesehen wird, sagte er: "es sei nicht die Zeit, um
sich selbst auf die Schultern zu klopfen". Als "größtes Problem" nannte Wen den
"instabilen, ungleichgewichtigen, unkoordinierten und nicht nachhaltigen"
Zustand der Wirtschaftsstruktur.
Chinas seit zehn Jahren höchste
Steigerung des Wehretats für 2007 um 17,8 Prozent auf umgerechnet 35 Milliarden
Euro und der Test einer Anti-Satelliten-Rakete, die zum Abschuss eines
ausgedienten chinesischen Wettersatelliten führte, seien "keine Gefahr oder
Bedrohung". Dies versicherte Premier Wen Jiabao bei seiner
Abschlusspressekonferenz zum Pekinger Volkskongress.
Wen bestätigte als
erster hochrangiger Politiker den Raketentest vom Januar, der "niemanden
gefährdet und gegen keinen internationalen Vertrag verstoßen hat". Er rief zu
einer internationalen Konferenz der Weltraummächte auf, um frühzeitig zu einem
"Abkommen zur friedlichen Nutzung des Weltalls" zu kommen. Mit dem
Satellitenabschuss, dem Ausbau seiner bemannten Raumfahrt und der während des
Volkskongresses bekannt gewordenen Planung eines Mondflugs in 15 Jahren hat sich
Peking offensichtlich als neue Raummacht neben den USA und Russland genügend
qualifiziert, um zu internationalen Konferenzen aufrufen zu können. Wen zufolge
will China den "Weltraum nur friedlich nutzen" und ist gegen jedes Wettrüsten im
All.
Text: WeltOnline
Bildmaterial: Chinaweb.de